Presse

Der letzte der feurigen Liebhaber

mittelhessen.de, Region Wetzlar, 04.06.2016, von Lothar Rühl
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Alles stimmte – bis auf das Wetter

FESTSPIELE Neues Kellertheater zeigt die Komödie „Der letzte der feurigen Liebhaber“

Berni Silbermann (Roland Groß) hat so seine Probleme mit der feurigen Veronika (Daniela Kamutzki). (Foto: Rühl)

Fast ausverkauft war die Inszenierung in der Regie von Lars Lembke im Rahmen der Wetzlarer Festspiele. Alles stimmte- bis auf das Wetter. Statt im Innenhof musste die Aufführung in der nahen Hofscheune ihren Verlauf nehmen. Dies tat aber dem Abend keinen Abbruch. Weil die Temperatur nicht unter 17 Grad sank, war das Sitzen in der offenen Scheune für die Besucher auch ohne Decken möglich.

Das Neue Kellertheater, das 2015 sein 40-jähriges Bestehen feiern konnte, hatte sich erneut eine Komödie ausgesucht, ihre Leib- und Magendisziplin. Den feurigen Liebhaber schrieb einst der amerikanische Autor Neil Simon, der aus dem jüdischen Viertel im New Yorker Stadtteil Brooklyn kommt und heute noch in New York lebt.

Der Traum vom Seitensprung

Im letzten feurigen Liebhaber wird der Besitzer eines Fischrestaurants von Torschlusspanik erfasst. Schon 54 Jahre ist Berni Silbermann, eindrucksvoll verkörpert von Roland Groß, der seit 23 Jahren verheiratet ist. Der Monogamie überdrüssig und ständig nach Fisch riechend, träumt er von einem Seitensprung. Deshalb lädt er sich Frauen in die Wohnung seiner Mutter ein, während diese freitags mit ihrem Damenkreis Canasta spielt.

Die temperamentvolle Veronika Romano (Daniela Kamutzki) hat Silbermann heimlich mit einer Nachricht auf dem Einkaufsbon eingeladen. Die verheiratete Kundin zeigt sich von weit größerer Lust am Abenteuer gepackt als der zaghafte Held. Auch wenn es Kussszenen und einen wilden Sturz aufs Sofa gibt, ein amouröses Abenteuer wird daraus nicht.

Auch die junge Schauspielerin Mona Michele (Jessica Wingenbach), die nur an ihre Karriere denkt, vermag der in die Jahre gekommene Ehemann nicht für sich gewinnen. Selbst das gemeinsame Haschischrauchen bringt sie nicht näher.

Schließlich hat Silbermann auch die beste Freundin seiner Frau, Annett Fischer (Angelika Hoffmann) eingeladen. Die Melancholische rechnet dem scheiternden Don Juan vor, dass nur 8,2 Prozent des Lebens lebenswert seien. Auf der Suche nach Menschen, die anständig, respektvoll und liebevoll sind, kenne er John F. Kennedy, Jesus und seine Frau Helma, so Silbermann.

Annett Fischer stellt fest: „Es gibt nur Anständige und Idioten“. Und „Schönes und Anständiges gibt es nicht mehr“. Das Fiasko seiner Abenteuer ist für Silbermann vollkommen. Resigniert beordert er seine eigene Ehefrau auf den Schauplatz seines Scheiterns. Hier fällt der nicht vorhandene Vorhang und das Publikum verfällt in tosenden Beifall. Immer wieder gab es im Verlaufe des Abends kräftige Lacher und leichte Gluckser zu hören, wovon ja eine Komödie lebt. Eine amüsante Aufführung, die noch drei Mal im Hofgut zu erleben ist: Sonntag, 5. Juni, um 19.30 Uhr, Freitag, 10. Juni, um 20.30 Uhr und Samstag, 11. Juni, 20.30 Uhr.

 


 

Das Haus in Montevideo

mittelhessen.de, Lokale Kultur, 14.03.2016, von Heiner Schultz
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Subtile Heiterkeit kommt an

INSZENIERUNG Neues Kellertheater zeigt Neufassung von „Das Haus von Montevideo“
Brav aber nicht blöd: Andrea Böhmer weiß sich als Ehefrau gegen ihren kauzigen Gatten (gespielt von Uwe Reuschel) zu behaupten. (Foto: Schultz)

Dabei gibt es im funktionalen Bühnenbild Raphael Schumanns außer einem prägnanten, finsteren Porträt gar nicht viel zu sehen. Die Attraktion sind die Darsteller. Uwe Reuschel spielt mit Nachbrenner, doch stets auf den Punkt und zuweilen auch nachdenklich den griesgrämigen und moralinsauren Professor Traugott Nägler. Dieser und der Rest der kinderreichen Familie wird von einer bevorstehenden Erbschaft aus der Ruhe gerissen: Die Schwester, die er wegen ihres unehelichen Kindes vertrieb, hinterlässt einen großen Betrag.

Der Autor versammelt neben dem Professor wesentliche komödiantische Figuren wie den Pastor oder den Anwalt und konstruiert einen klassischen Fall: Die Emotionen wogen hoch, die Missverständnisse sind kapital und die Figuren ganz köstlich. Andrea Böhmer ist die brave, doch nicht blöde Ehefrau. Eva Arhelger spielt die lebenslustige Tochter kurz vor der Eheschließung. Sebastian Kupetz ist ihr braver Verlobter. Routinier Sven Bühler gibt einen tadellosen Pfarrer und Tina Kneissl eine schön knarzige Heimleiterin, während Jessica Wingenbach als beflissene Magd amüsiert.

Eine turbulente Komödie, die wegen der souveränen Dialoge deutlich einfallsreicher wirkt als üblich

Dennis Roth findet als Anwalt Ricardo Cortez zu seinem eigenen Sprachduktus mit ganz persönlicher Raserei. Man sieht eine turbulente Komödienhandlung, die wegen der souveränen Dialoge deutlich einfallsreicher wirkt als üblich. Die Inszenierung arbeitet jede Pointe glasklar heraus. Die beseelten Darsteller liefern zahllose Details und finden dabei einen fließenden Sprach- und Spielrhythmus.

Es rollt einfach und ab und zu stockt einem bei einer knackigen Pointe oder vielsinnigen Andeutung mal der Atem. Götz hat für jede Szene heitere Dialoge gefunden.

Nicht vergessen darf man die hervorragend agierenden Kinderdarsteller, die eine vorbildlich konzentrierte und ausdrucksvolle Vorstellung geben. Die Inszenierung gibt besonders Reuschel, aber auch Roth, Gelegenheit, mimisch über die Stränge zu schlagen, was sie allerdings sehr präzise tun. Diesmal machen alle Darsteller auch körpersprachlich aus ihren Rollen und Dialogen das Beste. Das erzeugt eine durchgehende, zuweilen sogar subtile Heiterkeit, die durch einige verrückte Einfälle des Autors noch gesteigert wird. Ein paar witzige Regie-Einfälle mit den Kindern steigern das Vergnügen noch.

Das Publikum in der ausverkauften Premiere war restlos begeistert und applaudierte hingerissen.

 


Es war einmal… 7 Märchen auf einen Streich

Gießener Anzeiger, Kultur, 08.12.2015
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Tapferes Schneiderlein stolpert in „Es war einmal“ durch sieben Märchen

Sven Bühler (l.) mimt den bösen Wolf, Jens Schomber das tapfere Schneiderlein, dass in „Es war einmal“ durch verschiedene Märchen stolpert. Foto: Schultz

WETZLAR – WETZLAR (hsc). Einen Riesenerfolg verbuchte die neue Produktion des Neuen Kellertheaters „Es war einmal – sieben Märchen auf einen Streich“ von Martin Lingnau (Musik) und Heiko Wohlgemuth (Text). Die kompetente Inszenierung Miriam Reinhards brachte mit großer Energie, herzhaftem Humor und musikalischer Präzision nicht zuletzt die kleinen Besucher sofort auf ihre Seite.

Die Autoren starten mit einem kindgerechten Setting: Mama muss weg, und Papa muss heute das Einschlafmärchen erzählen. Aber das Buch ist weg, und er muss improvisieren, und so nimmt die Geschichte vom tapferen Schneiderlein ihren holprigen Lauf.

Fürs Publikum ist das höchst vergnüglich, sind doch die Akteure mit Leib und Seele bei der Sache. Es ist das erste Märchenmusical im Keller, aber die im Genre bewährten Darsteller erfüllen die Sache sofort lustvoll mit Leben. Unterstützt wurden sie von einer knackig aufspielenden Live-Band unter der Leitung von Marcel Rudert.

Sven Bühler, Franziska Deutscher, Jan Frech, Verena Gerth, Jens Schomber und Jessica Wingenbach spielen jeweils mehrere Figuren. Diese Doppelbesetzungen haben ihren eigenen Reiz, man nimmt bald nur noch die Figuren wahr. Jens Schomber als Schneider funktioniert trotz tontechnischer Schwächen glänzend, und Jessica Wingenbach ist sowohl ein prächtig zackiger Gesandter als auch ein stimmiges Rapunzel. Als böse und gute Fee überzeugt Franziska Deutscher rundum, sie bringt die finstere Hysterie und den Liebreiz gleichermaßen auf die Bühne. Ihre Soundunterstützung beim Auftritt ist exzellent. Herausragend agiert Verena Gerth. Die erfahrene Musicaldarstellerin spielt mit jeder Menge Herz des Königs Tochter und das Rotkäppchen, ihre Gesangsparts sind makellos. Jan Frech gibt einen seelisch etwas wackeligen König, und schließlich zeigt der bewährte Sven Bühler einen wunderbaren bösen Wolf und spielt einen köstlichen Puppen-Froschkönig, die Szene gehört zu den Höhepunkten der Show.

Auffällig ist die Qualität des stimmungsvollen Bühnenbildes von Miriam Reinhard und Raphael Schumann, das Stefan Reinhard mit zuweilen verblüffend passendem, filmreifem Lichtdesign ergänzt, und Petra Reddigs Kostüme sind ungemein kleidsam.

Die lebhaft dahinbrausende Inszenierung (Choreografie David Hartland) bringt so manche überraschende Wendung und setzt die witzigen Dialoge präzise um. Die zahlreichen Kinder amüsieren sich über die Figuren und agieren lebhaft als Unterstützer. Wie beim Kaspertheater darf reingerufen werden, etwa zur Warnung vor dem vergifteten Apfel. Das klappt, und darüber können sich auch die erwachsenen Premierenbesucher freuen. Zudem gibt es reichlich Pointen für die Großen, wobei man aber stets den kindgerechten Duktus im Blick behält.

So zischt das bis ins Detail sorgfältig ausgeführte Stück förmlich durch seine Geschichte, und am Ende erhalten die Akteure einen riesengroßen Beifall für eine rundum stimmige, äußerst schwungvolle und nicht zuletzt köstlich witzige Produktion.


mittelhessen.de, Region Wetzlar, 02.12.2015, von Maren Bonacker
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Sieben Märchen einfach mal in einem

SCHAUSPIEL Neues Stück im Kellertheater hat Premiere und spricht Kinder und Erwachsene gleichermaßen an

WETZLAR Das hat es im Neuen Kellertheater Wetzlar noch nie gegeben: Erstmals bringt die Musicalgruppe des Ensembles ein Stück auf die Bühne, das sich an die ganze Familie richtet und besonders die Kinder miteinschließt.

Auweia – kann das noch gut ausgehen? Der Wolf will das Tapfere Schneiderlein fressen, der König weiß gar nicht mehr, was er tun soll, und Schneewittchen ist verzweifelt … Aber wer sich mit Märchen auskennt, der weiß: Am Ende wird doch alles gut! Das Foto zeigt die gute Fee (Miriam Frech), den Gesandten (Miriam Freitag), den bösen Wolf (Julian Goletzka), das tapfere Schneiderlein (Jens Schomber), den König (Oliver Pfaff) und Schneewitchen (Verena Gerth). (Foto: Bonacker)

Bei der am kommenden Samstag anstehenden Premiere von „Es war einmal – Sieben Märchen auf einen Streich“ geht es um heitere Verwicklungen und einen total überforderten Vater, der beim Erzählen gleich sieben Märchen durcheinanderbringt. Die Idee zur Aufführung war Christoph Drewitz und Andrés Zarra Esperón bei einem Besuch in Hamburg gekommen. Dort wurde das Stück 2012 uraufgeführt. Miriam Reinhardt übernahm begeistert Regie und erklärte im Interview gut gelaunt, dass ihre Truppe noch nie eine Herausforderung gescheut habe. Und so ist Wetzlar gleich nach Hamburg der zweite Schauplatz, an dem dieses wunderbar humorvolle Märchenmusical aufgeführt wird.

„Ich hätte ja nicht gedacht, dass wir so etwas mal bringen“, gibt Zarra Esperón auf Nachfrage zu. „Dass wir das Stück in Hamburg gesehen haben, war eher Zufall – wir fanden uns in einem Publikum aus lauter Kindern wieder. Und wir hatten den großartigsten Nachmittag überhaupt!“ Sein Lachen bei der Erinnerung daran spricht Bände. Das ist das Geheimnis guter (Kinder-)Theaterstücke: Sie sind doppelt adressiert und sprechen Kinder und Erwachsene auf unterschiedlichen Ebenen gleichermaßen an. Das ist zweifellos der Fall bei dem Märchenmusical von Martin Lingnau und Heiko Wohlgemuth, das im Hamburger Schmidt Theater als „fantastisches Feuerwerk mit Musik“ gefeiert wurde. Die Verfasser sind bekennende Märchenfans, wollten sich aber vom traditionellen Märchenstück zu Weihnachten lösen und etwas Neues probieren. Da fiel ihnen der verzweifelte Vater ein, der ohne die Hilfe seiner Frau oder gar des Grimm’schen Märchenbuchs versuchen soll, seinen Kindern vorm Schlafengehen ein Märchen zu erzählen. Die reale und die Märchenebene verwischen; was als Gute-Nacht-Ritual im Kinderzimmer beginnt, verlagert sich in die Märchenwelt, in der das Tapfere Schneiderlein Dornröschen zu heiraten hofft und der Froschkönig den Wolf verschluckt… „Der Humor, der in diesem Stück steckt, hat mich sofort begeistert,“ schwärmt Miriam Reinhardt. Und die Musik begeistert auch. Schon allein, was es während der Proben in Auszügen zu hören gab, machte eine derartig gute Laune, dass es schwerfiel, das Theater wieder zu verlassen. „In Hamburg haben viele Kinder die Lieder gleich mitsingen können,“ berichtet Zarra Esperón. Ein bisschen nervös sind die Darsteller schon. Kinder im Publikum sind schwerer einzuschätzen als Erwachsene. Was wird vielleicht an Zwischenrufen kommen? Schließlich erzählt der Bühnenpapa die Märchen ja ganz falsch. Eine Herausforderung stellt aber auch die Besetzung der Rollen dar: Jeder Schauspieler spielt mindestens drei Rollen, Umziehen, Schminken und Umdenken inklusive. Vom Froschkönig zum Wolf, das ist schon eine Metamorphose der besonderen Art.

Am Samstag ist die Premiere, weitere Aufführungen bis Mitte Januar sollen noch folgen

Bei aller Voraussicht ist die Rolle des Königs/Vaters nur einmal besetzt – mit Oliver Pfaff, der als einer der Gründer dieser Musicalgruppe zum Urgestein gehört, aber gar nicht mehr in Wetzlar wohnt. „Staus wird’s nicht geben, Wetterkatastrophen und Krankheit auch nicht,“ erklärt Miriam Reinhardt zuversichtlich. „Das ist im Theater einfach so!“

– Dem jüngeren Publikum entsprechend wird die Premiere am kommenden Samstag (5. Dezember) erstmals schon um 17 Uhr beginnen – mit Schauspielern zum Anfassen und Buffet im Anschluss. Wer es zur Premiere nicht schafft, der kann noch bis Mitte Januar jeweils samstags um 17 und sonntags um 13 und um 17 Uhr in das Neue Kellertheater Wetzlar kommen. Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen oder direkt unter www.kellertheater-wetzlar.de.